Die bei uns lebenden Kinder und Jugendlichen können aus unterschiedlichen Gründen zeitweise oder dauerhaft nicht in ihren Herkunftsfamilien leben. Sie erfahren bei uns Schutz, Förderung und professionelle Begleitung, doch sie wachsen in einen institutionellen Rahmen auf. Was ihnen häufig fehlt sind kontinuierliche, nicht-professionelle Bindungen, die über die Einrichtung hinausreichen.
In Kooperation mit dem Verein EWD e.V. (ehrenamtliche Wegbegleitung Deutschland) suchen wir engagierte Ehrenamtliche, die unseren Kindern und Jugendlichen – ergänzend zur Heimerziehung – zur Seite stehen. Genau hier setzt deren Konzept an, da manche Kinder außerhalb der Wohngruppe Niemanden mehr haben.
Beziehung als Schlüssel in der Jugendhilfe
In der Sozialpädagogik gilt Beziehung als zentraler Wirkfaktor: Kinder entwickeln Vertrauen, Selbstwert und soziale Kompetenz durch stabile, verlässliche Bindungen. Gut ausgebildete, professionelle Fachkräfte leisten dies im Alltag, aber eine zusätzliche, freiwillige Bezugsperson außerhalb des Systems kann für einige Kinder den entscheidenden Unterschied machen.
Kinder, die gesehen werden wollen
Lea (fiktiver Name) ist acht Jahre als. Wenn sie erzählt, wirkt sie älter als sie ist. In ihrem jungen Leben musste sie schon mehr aushalten, als viele Erwachsene und hat traumatisierende Erfahrungen gemacht. Seit einigen Monaten lebt sie in einer unserer Wohngruppen. Dort ist sie gut versorgt, sie hat liebevolle und fachlich gut ausgebildete Betreuer*innen, die sie unterstützen und fördern. Und doch fehlt ihr etwas: eine Person außerhalb der Einrichtung, die nicht bezahlt wird, um sich zu kümmern, sondern freiwillig und mit viel Empathie. Zu ihren leiblichen Eltern hat sie keinen Kontakt mehr.
Kinder wie Lea leiden unter wechselnden Bezugspersonen (Fluktuation, Schichtwechsel) in der Einrichtung und sehnen sich nach Menschen, auf die sie sich langfristig fest verlassen können.
Der EWD e.V., gegründet von Julius Daven in Köln, qualifiziert und begleitet Erwachsene, die sich auf dieses Ehrenamt einlassen möchten. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen eine konstante Bezugsperson an die Seite zu stellen, die einen jungen Menschen so lange begleitet, wie er es möchte und dies auch nach Auszug aus der Wohngruppe hinaus bis weit in das Erwachsenenalter hinein.
Kleine Geste mit großer Wirkung
Wie eine solche Wegbegleitung aussieht, zeigen 3 fiktive Beispiele:
Lea (8) liebt Tiere. Einmal im Monat besucht sie mit ihrer Wegbegleiterin einen Bauernhof. Dort darf sie Ponys füttern und Hasen streicheln – und erlebt vor allem: Da ist jemand, nur für mich.
Jonas (10) hat viel Energie, manchmal auch Wut. Mit seinem Wegbegleiter spielt er Fußball, fährt Rad oder geht in den Zoo. „Bei ihm darf ich alles erzählen, und er lacht nicht über mich“, sagt Jonas.
Miriam (15) steht vor wichtigen Entscheidungen für ihre Zukunft. Ihre Wegbegleiterin unterstützt sie bei Bewerbungen und Gesprächen über Berufswege – und vermittelt vor allem eines: Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Es sind nicht die großen Taten, die zählen, sondern Kontinuität, echtes Zuhören und gemeinsame Zeit. Ehrenamtliche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter besuchen ein Kind alle zwei Wochen für mindestens vier Stunden und unternehmen mit ihm schöne Dinge.
Stimmen aus der Praxis
„Am Anfang hatte ich Sorge, ob ich wirklich etwas bewirken kann. Aber, wenn ich sehe, das Lea bei jedem Treffen auf mich wartet und schon strahlend in der Haustüre steht, dann weiß ich, warum ich das mache. Es geht um Verlässlichkeit – Wegbegleitung verändert beide Seiten“, berichtet eine ehrenamtliche Wegbegleiterin. „Und weil ich vom EWD e.V. gut auf meine Aufgabe vorbereitet wurde und fachlich gut begleitet werde – etwas durch regelmäßige Supervisionen und enge Abstimmungen – hatte ich von Anfang an ein gutes Gefühl und keine Angst, Lea zu begleiten.“

Qualifizierung und Begleitung
Damit Interessierte gut vorbereitet in dieses Ehrenamt starten, bietet der EWD e.V. Schulungen, fachliche Begleitung und regelmäßige Austauschtreffen an. „Wir suchen Erwachsene, die Geduld, Offenheit, Reflexionsstärke und Freude im Umgang mit jungen Menschen mit belasteten Biografien mitbringen – und die bereit sind, regelmäßig Zeit zu schenken“, betont Vereinsgründer Daven. Interessierte finden viele Informationen auf der Webseite des Vereins
www.ehrenamtliche-wegbegleitung-deutschland.de
Bewerben Sie sich jetzt!
Sie möchten ein Kind aus dem Marianum, das niemanden außerhalb der Wohngruppe hat, langfristig begleiten und stärken? Es regelmäßig, etwa alle zwei Wochen besuchen und mit ihm gemeinsame Zeit verbringen? Dann bewerben Sie sich gern per Mail an
info@ehrenamtliche-wegbegleitung-deutschland.de
Die Qualifizierungsschulungen finden in unseren Räumlichkeiten im Marianum statt, willkommen sind Menschen jeden Alters und jeder Lebenssituation.
